15 Sekunden Irland (1): Verliebte Monster

Es war einmal ….an einem Donnerstag in Irland: „Anni, weißt du was? Ich habe heute Nacht etwas seltsames geträumt. In meinem Traum waren zwei Monster. Aber sie waren nett. Und verliebt. Ein bisschen verliebt. Kannst du mir ein Bild von den beiden zeichnen?“, fragte mich der 3-jährige kleine Romantiker, auf den ich derzeit in Irland aufpasse. Denn „Monster“ können sich auch verlieben. Seht selbst. Happy End.

 

10 Tipps für ‚Wanna-Be‘ Au Pairs (Teil 2/2)

Die Koffer sind gepackt und dann steht man – schneller als man denkt – am Flughafen. Der Abschied von Eltern und Freunden fällt natürlich nie leicht, Zweifel steigen auf und man fragt sich, ob es tatsächlich die richtige Entscheidung war. Schließlich erlebt man nicht nur Neues sondern verpasst auch das Altbewährte in der Heimat. Gerade bei Au Pair-Aufenthalten von 6 bis 12 Monaten sind anfängliche Zweifel ganz normal. Um die meist ungewohnte und eventuell schwierige Anfangszeit zu überstehen, habe ich mir Gedanken über weitere Tipps gemacht, die mit dem Leben des Au Pairs im Ausland zu tun haben: 

6. Mini-Rebellion: Wie man die ersten zwei Wochen übersteht


Jeder Neustart ist schwierig. Aber keine Sorge, es wird mit jedem Tag besser. Das wichtigste ist, dass man geduldig mit sich selbst und den Kindern ist. Ich war oft mit ängstlichen und schüchternen, kleinen Kindern konfrontiert, die anfangs eigentlich lieber die Mama oder den Papa haben wollten, sich aber auf diese fremde Person mit dem komischen Akzent einstellen sollten. Da man ständig da ist, gewöhnen sich die Kids schnell an die neue Bezugsperson und nach ein oder zwei Wochen werfen die Kleinen dann erstmals den eigenen Eltern an den Kopf: „Nein! Ich will aber mit meiner Au Pair spielen und nicht mit dir!“ Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, fällt einem meist ein Stein vom Herzen, denn in den ersten Tagen und manchmal Wochen kommt es bei den Kindern häufig zu Tränen und einer Art Mini-Rebellion. Hat man diese Schlacht gewonnen, ist man meist über den Berg. Ein kleiner Tipp von mir: Am besten jegliche Mitbringsel oder Gastgeschenke (falls man welche mitnehmen möchte) erst 2 oder 3 Tage nach der Ankunft übergeben – Kinder sind einfach zu schlau für Bestechung. 

7. Heimweh

Ja, Heimweh hat jeder einmal. Das wichtigste ist, dass man sich ablenkt und nicht total in seinem Zimmer abschottet. Gerade in den ersten Wochen, in denen man zumeist noch keine Freunde gefunden hat, ist es schwer mit jemanden darüber zu sprechen – gerade weil alle Menschen fremd sind. Trotzdem sollte man sich seiner Gastfamilie anvertrauen. Aber auf keinen Fall sollte man gleich die Flinte ins Korn schmeißen, wenn das Heimweh dann mal „zu stark ist um es überhaupt auszuhalten“. In der heutigen Welt gibt es schließlich Telefon, Skype und Emails. In Minuten kann man das Gesicht der Eltern und Freunde auf dem Monitor sehen und Gespräche helfen sehr. Außerdem kann ich euch versprechen, dass selbst das stärkste Heimweh verschwindet sobald ihr neue Freunde gefunden habt und euch wohler in eurer neuen Umgebung fühlt. Ablenkung und Unternehmungen sind gefragt! 

8. Wie findet man Freunde? 


Eines der wichtigsten Elemente des Au Pair-Aufenthaltes ist das Schließen neuer, interkultureller Freundschaften. Wenn ihr euch für ein Land wie Irland entscheidet, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ihr ganz viele Freundschaften schließen werdet. Denn dort lebt fast in jeder Ortschaft mindestens ein Au Pair. Das bedeutet man lernt oft Au Pairs über die Freunde der Gasteltern kennen. Weiterhin trefft ihr andere Au Pairs in Sprachschulen oder Reisegruppen. Persönlich hat mir Facebook viele Möglichkeiten eröffnet andere Au Pairs kennenzulernen. Dort gibt es verschiedene `Gruppen`, in denen man Au Pairs in seiner Umgebung finden kann und Treffen organisieren kann. Bestimmte Gruppen organisieren sogar wöchentliche Treffen in Pubs und Unternehmungen im ganzen Land.

9. Sprachschule

Ein wichtigster Punkt ist ebenfalls der Besuch der Sprachschule, der zum traditionellen Au Pair-Job mit dazu gehört. Im Prinzip muss man natürlich keine Sprachschule besuchen. Bei manchen Au Pair-Agenturen ist der Besuch der Sprachschule allerdings im offiziellen Programm mit drin. Der Besuch einer Sprachschule ist sehr empfehlenswert, da man neben dem gesprochenen Englisch auch noch einmal die Grammatik trainiert. Am Ende kann man dann auch noch Zertifikate machen, die international gültig sind. Die Kosten der Sprachschule übernimmt das Au Pair. Eine Mindeststundenzahl pro Woche ist vorgeschrieben um das Kindergeld über seine Au Pair-Zeit weiterhin zu erhalten. Verzichtet man also auf die Sprachschule, verzichtet man ebenfalls auf das Kindergeld. In einer Sprachschule lernt man viele unterschiedliche Menschen kennen und kann neue Freundschaften schließen. In Irland gab es sehr viele Sprachschulen und meine Gastfamilie hat mich während meines ersten Au Pair-Aufenthaltes sehr unterstützt, mich für die richtige Schule zu entscheiden. Durch einen Einstufungstest landet man dann in der Regel in einem Kurs, der dem eigenen Sprachniveau angemessen erscheint. Die Lehrer sind meiner Erfahrung nach sehr offen und freundlich. Mein Tipp: Falls ihr die Stundenzahl nicht erreicht, aber eine Sprachschule besucht kann ich sagen, dass es nicht in jedem Land so penibel und bürokratisch zugeht wie in Deutschland. Einfach mal bei der Sprachschule anfragen… 

10. Abenteuer Ausland 

Abgesehen davon, die Sprache zu erlernen und auf die Kids aufzupassen, habt ihr Zeit dafür das Land zu erkunden. Irland war das perfekte Land zum Reisen! Wunderschöne Landschaften und viele Freizeitangebote – man konnte sich kaum entscheiden, was man lieber an den Wochenenden anstellen wollte. Meine Empfehlung ist es, das Geld was man verdient auch im Ausland auszugeben. Schließlich ist man (in der Regel) nur einmal dort und möchte so viel wie möglich sehen und erleben. Tretet Sportvereinen bei oder Musikvereinen, nutzt die Angebote der volkshochschulartigen Bildungseinrichtungen und geht auch mal einen Kaffee oder Mojito trinken, anstatt das Geld auch nur in geringster Weise ansparen zu wollen. You only live once! 

Viel Spass im Ausland!

Halloween und Klopapier

Ein Tag wie heute, lässt mich einmal mehr zurückblicken. Er versetzt mich zurück ins Jahr 2011, zurück ins Geisterkabinett, zurück ins Land der Kobolde und Feen, hin zu den Wurzeln des womöglich schrägsten Tages, den ich in Irland miterleben durfte: Halloween. Der Tag, an dem mir die bisher ungewöhnlichste Frage meines Lebens gestellt wurde: Würdest du bitte das Klopapier aus dem Fenster werfen?

Bevor ich allerdings die „Geschehnisse des 31. Oktobers“ genauer beleuchte, möchte ich euch von den Tagen vor dem Gruselfest erzählen. Wie an den meisten freien Abenden spazierte ich durch das hübsche Küstenstädtchen Greystones. Ich ging in den nächstgelegenen Supermarkt und reihte mich kurze Zeit später in die Schlange an der Kasse ein. Wieder einmal hatte nur eine von fünf Kassen geöffnet. Genau wie daheim, dachte ich und legte den ausgesuchten Apfel auf das Band. Beim Anblick des Kassenbandes schreckte ich ruckartig zurück und hätte dabei den Apfel beinahe in Obstsalat verwandelt, wenn ein hinter mir stehender Vampir ihn nicht aufgefangen hätte. Moment mal, ein Vampir? Ich schreckte ein zweites Mal zusammen. Grinsend verkündete mir Graf Dracula, dass er wohl die richtige Kostümwahl getroffen habe. Ich drehte mich wieder um und begutachtete erstaunt die Einkäufe auf dem Kassenband. Neben zahlreichen Fläschchen Kunstblut und Gesichtsfarben, rollten kleine, blutunterlaufene Augen gefährlich nah auf meinen Apfel zu. Die kleinen und haarigen Plastikspinnen, ein künstliches Herz und die Packung durchaus echt aussehende Maden befanden sich ebenfalls in unmittelbarer Entfernung meines kostbaren Apfels. Ich entschied mich, ihn solange festzuhalten bis ich an der Reihe war und wurde mit verwunderter und ratloser Miene von der Verkäuferin angeschaut, als ich ihr das Geld für meinen Einkauf überreichte. Ich war wohl an diesem Tag die einzige Kundin, die kein „Made in Taiwan“, „Made in China“ oder „Made in Bangladesch“-Produkt gekauft hatte. 

Am Tag vor Halloween unternahm ich mit dem kleinen Prinzen (ihr erinnert euch bestimmt an ihn aus meinen älteren Berichten!?) einen Spaziergang. Während der kleine Herr fröhlich in seinem Kinderwagen brabbelte und kicherte, fielen mir die Menschen auf die in ihren Vorgärten beschäftigt waren. Sobald sich ein Fußgänger, Nachbar oder eine andere Lebensform näherte, fingen die beschäftigten Hausbewohner plötzlich an zu tuscheln und versuchten ihre Machenschaften zu verbergen. Es war natürlich nicht zu übersehen, dass sie ihre Dekorationen für Halloween an ihren Häusern anbrachten. Obwohl ich mir zu diesem Zeitpunkt darüber bewusst war, dass der 31. Oktober ein ganz besonderer Tag in Irland war und dass Kinder ihn mit Weihnachten nahezu gleichsetzten, war ich mir dennoch nicht klar darüber, was mich am nächsten Tag erwartete. Zugegeben, einen Hauch der Ahnung ereilte mich schon, nachdem ich den Kinderwagen auf dem Rückweg viel zu nah an einem charmant lächelnden Kürbis mit integriertem Bewegungssensor vorbeischob. 

Graf Dracula im Rosenbusch

Dann kam der Tag der Wahrheit oder besser des Grauens: Halloween. Am Morgen eilte ich durch die Stadt. In all der Aufregung hatte ich komplett vergessen, dass die Kinder von mir erwarteten, dass ich am Abend ebenfalls verkleidet auftreten würde und mit ihnen auf Süßigkeitenjagd in der Nachbarschaft ging. Als vorbildliche „große Au-Pair-Schwester“ eilte ich los – die Auswahl war natürlich sehr beschränkt: ich konnte mich entweder in Satan’s Ehefrau verwandeln oder in einen Axtmörder mit grauem Bart. Die Entscheidung fällte ich in Sekunden und als ich wieder daheim eintraf, hatte das Dekorieren der Küche, des Flurs und des restlichen Hauses schon begonnen. Kürbisse und Hexen klebten an den Fenstern und ungefähr dreidutzend Dekofiguren hatten auch schon ihren rechtmäßigen Platz gefunden. Meine Gastfamilie wollte aber in diesem Jahr etwas ganz besonderes und neues ausprobieren. Die nächsten zwei Stunden verbrachte ich also auf Wunsch von Albert Einstein damit, acht Rollen Klopapier spinnennetzartig von Fenster zu Fenster zu spannen und zu werfen, zu befestigen und zu verknoten. Eine wahrliche Innovation, das Haus in eine Art überdimensionale Toilette zu verwandeln, dachte ich. Zugegeben, bei Anbruch der Dunkelheit sahen die Toilettenpapiergirlanden gar nicht mal so übel aus. 

Mit der Dunkelheit kam noch etwas: eine Flutwelle an Geistern, Vampiren, verzauberten Meerjungfrauen und Frankenstein’s Monster klingelte auch an der Haustür. Sie alle wollten nur eins: Süßigkeiten. Gut, dass die fünf Kilogramm Zuckerstangen, Lollis und Schokolade gerade so genügt haben. 
Anschließend bin ich selbst mit Mary Poppins, verkleidet als Prinzessin, Albert Einstein, verkleidet als Skelett, dem kleinen Prinzen, verkleidet als Baby-Krokodil und meiner Gastmutter, verkleidet als Hexe, aufgebrochen in die dunklen Straßen der Nachbarschaft und habe folgendes gelernt:

1. Vertraue keinen netten, kleinen, alten Damen

Wie der Titel schon verspricht, wurden wir beim ersten Haus von einer netten, kleinen, alten Dame begrüßt. Sie bat uns freundlich näher zu treten und kurz zu warten, bis sie ihre Schüssel mit Süßigkeiten aus der Küche geholt hatte. „Keine bösen Überraschungen beim ersten Haus“, freute sich Albert Einstein. Plötzlich allerdings heulte eine unheimliche Stimme hinter uns, dass wir uns nicht bewegen dürften. In den Büschen um uns leuchteten Augen auf, Figuren bewegten sich und spielten unheimliche Melodien. Hinter uns stand auf einmal ein alter Mann, verkleidet als Mumie und jagte und alles einen riesigen Schrecken ein. So schnell, wie die Mumie und die gesamte gespenstische Szenerie gekommen war, war sie auch wieder verschwunden. Die Tür des Hauses ging wieder auf, die alte Dame übergab mit einem Lächeln Süßigkeiten an die Kinder und verabschiedete sich mit einem „Happy Halloween“. Als wir das Grundstück verließen, konnten wir sie aber hinter den Büschen mit der Mumie kichern hören. Es schien, als hätte das alte Ehepaar das ganze Jahr auf diesen einen Tag gewartet.

2. Der Weihnachtsmann lebt nicht am Nordpol

Einige Häuser weiter öffnete uns ein Herr im Weihnachtsmannkostüm. Meine Gastmutter und ich hätten uns einige komplizierte und aufklärende Gespräche über den tatsächlichen Wohnort des Weihnachtsmannes sparen können, wenn sich dieser nette Herr in Rot nicht im Tag vertan hätte oder ein wenig kreativer hätte sein können.

3. Ein Kürbis hat Grips 

Es schien so, als ob die ganze Nachbarschaft darum wetteiferte, wer die beste Dekoration und die kreativsten Einfälle hatte.

 

Ein Haus übertraf das nächste. Ich hatte noch nie solche Massen anPlastikdekorationen gesehen: Hexen, die aus dem Fenster hingen, Kürbisse die sprachen und sich bewegten, Plastikratten, die auf einen zu rennen, sobald man sich nähert, ferngesteuerte Fledermäuse und Lichterketten in allen erdenklichen Farben. Doch nichts geht über einen „echten“ sprechenden Kürbis: Einen Familienvater in Kartoffelsäcken zu verpacken und dann zwischen den Rosenbüschen zu platzieren, mit einem Kürbis auf dem Kopf, würde ich als mein persönliches Highlight bezeichen. Es kann aber auch sein, dass ich einfach nur Mitleid hatte.

Immerhin erreichten wir das Ziel des Abends: das Sammeln einer Unmenge an Süßigkeiten und das Gruseln in den Straßen des zur „Rocky Horror Picture Show“ mutierten Greystones. Ich habe eine wunderbare, wenn auch ungewohnte Erfahrung gemacht. Ich habe gelernt, dass ich mein Geld für Freizeitparks oder Geisterbahnen in Zukunft sparen kann, denn in Irland bekommt man Graf Dracula und das Frankenstein Monster einmal jährlich kostenlos zu sehen. Alle hatten ihren Spass und wenn dann doch mal vor Angst eine Träne gefallen ist: ich wusste ja wo das Toilettenpapier war.

Das Planetenfunkgerät für Au Pairs

Allerspätestens nach einem Monat war ich offiziell ein anerkanntes Familienmitglied. Ich war die große Schwester – manchmal gemein, meistens lieb und immer die beste Ansprechpartnerin wenn es darum ging, die Knete aus den Couchritzen zu holen oder Spielautos aus der Toilette zu fischen. Ich war da, wenn die Kinder morgens gähnend am Frühstückstisch saßen, ich war da, wenn sie wieder aus Schule oder Kindergarten zurückkehrten. Ich war diejenige, die stöhnend einen Kinderwagen inklusive drei Kindern, Snacks, Getränken, Regenjacken und Sommerklamotten den weiten Weg bis zum Spielplatz schob. Ich war anwesend bei jeder Geburtstagsfeier, bei Familienfeiern und Spieleabenden. Ich lag mit den Kindern auf der Couch wenn sie krank waren und ich habe unendliche Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Der kleine Prinz hatte inzwischen nicht nur krabbeln, sondern auch laufen gelernt. Sein erstes Wort habe ich auch noch mitbekommen: „Banana“ (Banane), welches er ganz gerne und häufig in die Länge zog. Wir schrieben daraufhin den „Opus“-Song „Life is Life“ neu (er wäre sicherlich ein Riesenerfolg in Grundschulen und Krabbelgruppen geworden). Während ich laut „Life is Life“ sang, fügte der kleine Prinz ohne zu zögern „Banananana“ hinzu. Zusammenfassend: Ich war „wie die Mama – nur eben mit dunklen Haaren“.

Das einzige, was weder ich noch die Kinder wirklich bedachten: Die Zeit. Wir alle dachten nicht wirklich an den großen Abschied, der schon bald anstehen würde, auch wenn meine Gasteltern das Thema langsam aber sicher ansprachen. Sätze wie „Na und … dann spielen wir eben nächste Woche!“ oder „Wie oft müssen wir schlafen bis du wieder da ist?“ machten die Abschiedsphase nicht gerade leichter. Immer wieder versuchte ich den Kindern schonend beizubringen, dass ich nicht so schnell wieder zurückkommen würde.

Und dann kam der Tag an dem Albert Einstein die entscheidende These aufstellte: Ein Au Pair stammt einfach nicht vom selben Planeten. Das wäre der einzige denkbare Grund, wieso ich nicht so schnell wiederkommen könnte, denn ein Flugzeug von Deutschland nach Irland bräuchte ja nicht länger als zwei Stunden. Mit vielen umständlichen Erklärungen versuchte ich ihm klarzumachen, dass Deutschland auf demselben Planeten liegt wie Irland, doch ich konnte Albert Einstein nicht überzeugen. Sein Plan stand fest: Er musste einen Weg finden um in Kontakt bleiben zu können. Eine kluge Erfindung musste her, genauso wie es der richtige Albert Einstein getan hätte. Im Weltraum funktionieren schließlich weder Handy noch Internet. Während er also in den nächsten Tagen versuchte, das ultimative Planetenfunkgerät aus Lego zu bauen, nutzte ich die letzten beiden Wochenenden für Abschiedspartys mit meinen gewonnen Freunden – Au Pairs, Einheimische, Zugezogene. Alle waren wunderbar und ich bin dankbar für jede einzelne Person, die ich kennenlernen durfte. Die letzten Wochen in Irland fühlten sich genauso an, wie die letzten Wochen bevor ich Deutschland verlassen hatte. Und ich muss zugeben, dass ich noch nicht bereit war zurückzufliegen. Ich hatte mich so an die Menschen und die Sprache gewöhnt, ich hatte angefangen auf Englisch zu träumen und zu denken – ich wusste in welchem Café oder Pub ich meine Freunde antreffen würde. Ich wusste, wo die besten Einkaufsstraßen, Museen und Kinos waren oder wo der schönste Strand zu finden ist und hatte mich schlussendlich damit abgefunden, dass ein Regenschirm in Irland einfach keinen Sinn macht, da der Regen nicht von oben kommt. Ich hatte mir angewöhnt unendlich viel Knoblauch zu essen, das restliche Essen aber nicht zu würzen. Ich hatte gelernt öffentliche Verkehrsmittel effektiv zu nutzen, günstig zu reisen, die besten Hostels und Hotels zu finden. Ich habe meine Liebe zum Reisen, zu unterschiedlichen Kulturen aber vor allen Dingen zur englischen Sprache entdeckt – was mich zu meinem jetzigen Englisch-Studium beflügelt hat.

Eine Sache habe ich allerdings nicht gelernt und möchte ich auch gar nicht lernen – nämlich „Tschüss“ zu sagen. Dass Albert Einstein es nicht geschafft hat das Planetenfunkgerät zu bauen macht also gar nichts, denn in genau zwei Wochen sitze ich im Ufo nach Irland – genau, um nochmals als Sommer-Au Pair ganz neue Erfahrungen zu sammeln, in einer neuen „Stadt“ (Dorf) und mit einer neuen Gastfamilie. Allerdings, nur 10 Kilometer von Albert Einstein, Mary Poppins und dem kleinen Prinzen entfernt.

Tatsächlich gibt es dann ein HAPPY END.

Genau: “Life is Life …. Banananana!”

Pfannkuchen am Nordpol

Deutschland mag ja ein weit entwickeltes Land sein. Wir haben ein klares System. Die wichtigsten Tage des Jahres sind fest in unserem Verstand und in unserem Kalender verankert – genau, ich spreche von Feiertagen. Tage, an denen man ohne jegliches schlechte Gewissen blau machen darf, da uns entweder wichtige geschichtliche Ereignisse oder religiöse Hintergründe ganz automatisch eine „Krankmeldung“ ausstellen. Meine Zeit in Irland hat mir aber ganz klar gezeigt, dass auf unserer Liste einer der wichtigsten, sinnvollsten und schönsten Tage fehlt. Wieso, um Himmels Willen, haben wir keinen „Pancake Tuesday“ (Pfannkuchen-Dienstag)? Natürlich, der kritische Deutsche möge jetzt argumentieren, dass wir auch mehrere Feiertage zelebrieren, an denen man sich rundum satt essen kann. Aber wie kann man denn bitte die rundum gesunde und pflanzliche ‚Grüne Sauce‘ vergleichen mit dem Genuss von dampfenden Pfannkuchen, übergossen mit heißer Schokoladensauce, bestäubt mit Zimt und Zucker oder Sahne …. oder, laut Albert Einstein nur möglich in einem Haus mit drei Kindern, mit ALLEM gleichzeitig. Ich weiß nicht, woher meine Begeisterung für diesen epischen Tag, der im Übrigen 40 Tage vor Ostern vor Beginn der Fastenzeit zelebriert wird, so plötzlich herkam – ob es daran lag, dass es das erste knoblauchfreie Rezept während meines ganzen bisherigen Aufenthaltes war und ich deshalb nahezu einen Schock – hervorgerufen durch Knoblauchentzug – erlitt?

1x Weihnachten, Bestell-Nr. 2412

Dies lässt mich zurückblicken auf eine weitere, unvergessliche und nicht allzu besinnliche irische Weihnachtszeit. Sie begann am 27. November. Albert Einstein, der sich ja schon sehr gut darin verstand den Kalender richtig zu deuten, begann an diesem Tag zielgerichtet den „Smiths“ Spielzeug-Katalog zu wälzen. Schließlich wollte er gut vorbereitet sein und schrieb seine Wünsche – nach Priorität geordnet – heraus. In Irland ist es üblich, dass die Kinder einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben und ihn entweder per Luft- oder Rentierpost in Richtung Nordpol senden oder ihn persönlich übergeben. Der Weihnachtsmann kommt nämlich wenige Wochen vor Weihnachten in Einkaufszentren und Supermärkte und wartet dort auf Kinder, die ihm Wunschzettel überreichen möchten. Die Idee meiner Gastmutter, die Briefe per Post zu schicken, scheiterte, denn Albert Einstein hatte schon die Höhe der Portokosten im Internet recherchiert, sodass eine selbstgebastelte Briefmarke wohl nicht mehr in Frage kam. Also musste es ein persönlicher Besuch beim Weihnachtsmann sein, dem er folgenden Brief (originalgetreu übersetzt) in die Hände drückte:

„Lieber Weihnachtsmann, mein Name ist Albert Einstein. Ich war das ganze Jahr über lieb und nett, ganz besonders zu meinen Geschwistern, Mary Poppins und dem kleinen Prinzen. Weil ich es also verdient habe, hätte ich gerne folgende Geschenke: 1. Lego Polizeistation, Bestell-Nr. 7498 und 2. Lego Weltraumstation (die große), Bestell-Nr. 3172. Wenn du noch heute im Spielzeug-Katalog „Smiths“ bestellst, kommt die Lieferung ganz sicher noch bis Weihnachten an. Zumindest haben sie das in der Werbung gesagt. Bitte bring doch meiner kleinen Schwester das viel zu pinke Barbie Traumschloss, das sie sich so wünscht und meinem Bruder auch etwas Schönes. Beide können noch nicht schreiben. Albert Einstein“

Als der Brief bei Santa Claus abgegeben war, hieß es also warten, warten und nochmals warten. Eine Geduldsprobe für jedes Kind doch für mich wurde die Kindererziehung dadurch temporär erheblich leichter. Schließlich brauchte ich mir ab sofort keine Gedanken mehr darum zu machen, dass die Kleinen etwas anstellten. Sobald sie nur ein wenig aus der Reihe tanzten, nicht gehorchten, herumschrien oder ihr Gemüse nicht aufessen wollten, musste ich sie nur mit verheißungsvollem Blick ansehen und eine simple Frage stellen: „Was würde bloß Santa Claus zu eurem Benehmen sagen?“ – und schon saßen drei Engel am Tisch, die ihre Teller in Rekordgeschwindigkeit leerten. Mary Poppins wagte es einmal meine Theorie in Frage zu stellen, als sie sagte „Santa Claus ist alles in allem ein netter Mensch – der würde uns immer Geschenke bringen, egal ob wir mal ungezogen waren“. Mit der Antwort „Wer weiß, wer weiß“ war die Diskussion aber schon wieder beendet. Schließlich wollte auch Mary Poppins kein Risiko eingehen.

Selbstverständlich bin ich über die Weihnachtsfeiertage nach Deutschland geflogen und habe mit meiner eigenen Familie gefeiert. Das hielt mich aber nicht davon ab, Geschenke für „meine“ Kids unter den Weihnachtsbaum zu legen – und dem irischen Weihnachtsmann einen Brief zu schreiben:

„Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir nur eins: Pfannkuchen!“

In 80 Tagen um die Welt

Der Titel trifft nicht so ganz auf meine Reise zu, aber zumindest glaube ich zu wissen wie sich Phileas Fogg im Abenteuerroman „In 80 Tagen um die Welt“ gefühlt haben muss. Ich bin zwar nicht mit einem Dampfschiff durch den Suez-Kanal gefahren, doch war die Fahrt vom Osten zum Westen bis hin zum Norden Irlands in einem Kombi mit drei kleinen Kindern mindestens genauso spannend – auch wenn Phileas Fogg wohl durchaus die besseren Karten gezogen hatte, was die Wahrscheinlichkeit von Behinderungen des Verkehrsflusses durch Schafe und Kühe anging. Eine Woche vor meiner Ankunft in Irland teilte mir meine Gastmutter nämlich mit, dass wir in den ersten vier Wochen meines Abenteuers sehr viel reisen würden, da die Kinder Ferien hatten und dies die übliche Zeit war in den Urlaub zu fahren und die Großeltern zu besuchen. Deshalb möchte ich meinen heutigen Titel nun wie folgt abändern:

In 28 Tagen durch Irland

Wie aufregend. In meinen ersten Wochen durfte ich so viel von Irland sehen, wie man es sich nur wünschen konnte. Traumhaft schöne Küsten und Strände, wunderschöne Sonnenuntergänge, lange Spaziergänge durch die Natur und nur wenig Regen erwarteten mich in der Region „Kerry“ im Süden Irlands, wo wir die ersten 10 Tage unseres Langzeiturlaubs verbrachten. Die Familie hatte sich dort ein Ferienhaus gemietet, unweit vom Strand und von einem hübschen Dörfchen namens „Dingle“ entfernt. Die Tage im Süden verbinde ich heute am ehesten mit den typisch irischen Pubs und dem guten alten Guinness. Oh ja, es gibt kaum etwas, das mehr Spass macht, als ein Guinness, eine Gitarre, eine Flöte und ein kleiner bunter Raum, in dem sich die Gemeinschaft zusammenfindet und von ganzem Herzen feiert, lacht und singt. Gemeinschaft ist ein Wort, dass ich nach meinem Irland-Aufenthalt anders definiere: Freundlichkeit, Offenheit und Verständnis für JEDEN. Als ich nämlich zusammen mit meiner Gastmutter abends um die Häuser zog um das Nachtleben Irlands kennenzulernen, wurde ich herzlich begrüßt wie jeder andere und gehörte ganz automatisch mit dazu. Die Atmosphäre in einem Pub muss man selbst erleben, doch kann ich sagen, dass sich der „Irish Coffee“ (Irischer Kaffee mit Schuss) nicht mit diversen irischen Biersorten wie Guinness, Kilkenny oder Bulmers verträgt. Ja, ich habe ALL diese Getränke bei meinem ersten Pubbesuch ausprobiert und habe danach fröhlich Lieder mitgesungen, die ich eigentlich gar nicht kannte. Woher ich plötzlich die Texte konnte? Weiß ich nicht mehr.

Aber weiter geht die Reise in die wunderschöne Region „Donegal“: Berge, steile Klippen, feiner Sand und ein unglaublich kalter atlantischer Ozean erwarteten mich dort. Hier verbrachten wir die nächsten Wochen unseres Urlaubs bei der Großmutter der Kinder. In Donegal machte ich meine ersten Erfahrungen mit einem typisch irischen „Bed & Breakfast“, in dem ich aus Platzmangel im Haus der Großmutter in den nächsten Wochen wohnte. Altmodisch und knallbunt eingerichtet, Farben die ich nicht mal an Karneval kombinieren würde, wenn ich mich als Farbtopf verkleiden wollte – trotzdem auf eigenartige Weise aber gemütlich. In Donegal konnte ich nicht nur in die unterschiedlichsten dörflichen Akzente „reinhören“, sondern auch in die gälische Sprache, die dort oben noch gesprochen wird. Das winzige Dorf in dem wir wohnten bot nicht viele Attraktionen, es lag ziemlich abgeschieden vom Rest der Welt an einer Küste und Touristen fanden ihren Weg nur schwerlich bis dorthin. Es gab nur hin und wieder einen Höhepunkt. Einen Tag an dem die meisten Frauen aufgeregt durch das Dorf rannten und tuschelten und sich für den anstehenden „Abend der in die Geschichte eingehen würde“ aufbrezelten. Ja, ein Jungesellinnen-Abschied stand an. Ich hatte das „Glück“ an einem dieser besonderen Ereignisse anwesend zu sein. Das war der Tag auf den alle gewartet hatten, denn es gab nur eine Berühmtheit in diesem kleinen, scheinbar gar nicht unschuldigen Dörfchen: den Dorfstripper. Hätte er gut ausgesehen und nicht jedes einzelne Klischee erfüllt, wäre mir eine Nacht voller Alpträume über sich entkleidende Gartenzwerge in Nachbars Garten erspart geblieben. Aber man (frau) kann ja nicht alles haben.

An Tag 28 reisten wir zurück in die Region „Wicklow“, in der ich mich endlich richtig niederlassen, viele Freundschafen schließen konnte und all das Erlebte der letzten Wochen Revue passieren ließ. Gerade jetzt war ich im Grunde erst richtig angekommen in meinem neuen Zuhause in Greystones – nur eine dreiviertel Stunde von Irlands Hauptstadt entfernt – und hatte schon so viele Eindrücke gesammelt. Wicklow, dort wo Filme wie „Braveheart“ und „P.S. – Ich liebe dich“ gedreht wurden, spiegelte die wunderschöne Natur Irlands wieder und hier zu wohnen war für mich ein unglaubliches Erlebnis. Wer hat schon einen Strand vor der Haustür und eine Hauptstadt in unmittelbarer Entfernung? In Wicklow und Dublin lernte ich die meisten meiner Freunde kennen und für uns war es der Ausgangspunkt für alle weiteren Abenteuer.

Hätte ich – wie Phileas Fogg – eine Wette darauf abgeschlossen, dass ich von Irland so viel sehen würde wie er von der ganzen Welt, hätte ich also vermutlich gewonnen. Wo ist mein Geld?