Ciao! I would like to order gelato, per favore! (Teil 4)

Es war einmal an einem Samstagnachmittag in Venedig. Zwei abenteuerlustige junge Frauen stürzen sich ins Abenteuer Italien. Doch der Umsetzung der waghalsigsten Pläne kam – wie immer – etwas in die Quere: das Eiscafè. „Weißt du wie man Eis auf Italienisch bestellt?“, fragte mich meine neugewonnene amerikanische Au Pair-Freundin. „Ja, zum Glück habe ich das mittlerweile gelernt“, antwortete ich stolz und hielt nach dem Service in der Gelateria Ausschau. Mittlerweile hätte ich „Eis essen“ ohne Probleme auf einem sozialen Netzwerk unter Hobbys eintragen können – gleich neben „Pasta essen“ und „Kaffee trinken“. Anscheinend war ich schon innerhalb weniger Wochen zu einer Pseudo-Italienerin mutiert.

Dem italienischen Essen eilt definitiv der Ruf voraus. Pasta, Pizza, Eiscreme, frisches Obst, Weißbrot und Olivenöl. All das stand regelmäßig auf meiner Speisekarte. Ich war ja ganz froh dass andere Gemüsesorten den Rosenkohl und das Sauerkraut ersetzten (ok, ich tue gerade so als ob ich das ständig essen müsste) und als großer Fan von Pasta, liebte ich sämtliche Nudelgerichte, die mir in Italien vor die Nase gesetzt wurden. Und ich habe wieder viele Dinge über mich gelernt:

1) Ich bin ein Espressoholiker!

Es ist halb 11, abends. „Möchtest du noch einen Kaffee?“ Ich schätze es gibt einige die nun dankend verneinen würden, wenn sie daran denken, dass es ja bald ins Bett geht. Als Kaffeeliebhaberin und als Mensch der keine Probleme mit dem Einschlafen nach Kaffeekonsum hat, verbrachte ich viele Abende mit dem Kochen bzw. Trinken von Kaffee. Aber nicht irgendein nullachtfünfzehn Kaffee aus der stinknormalen Kaffeemaschine. Zubereitet in einer Moka (kleine, irgendwie altmodische Espressomaschine) schlürfte ich jeden Abend den stärksten Espresso der Welt, denn in Italien heißt es Kaffee = Espresso. Seither bin ich ein Espresso-Fan.

2) Ich bin ein Herbivore!

Ich weiß es macht keinen Sinn, aber in meinem nächsten Leben möchte ich ein Dinosaurier sein (oder ein Schmetterling). Allerdings, sollte ich als Dinosaurier wiedergeboren werden, dann ganz sicher als einer der Herbivoren. Jeder der mich kennt weiß, dass ich kein großer „Fleischfresser“ bin. Allerdings ist es in Italien relativ normal auch Pferde aufzuessen, deswegen würde ich mein einziges „negatives“ Erlebnis so beschreiben: Ich hätte fast ein Stückchen Pferd gegessen. (In meiner Kindheit habe ich ungefähr 300 Wendy-Hefte gelesen und genügend Reitstunden genommen um das zu begründen – und ja ich weiß, Tier ist Tier).

3) Ich liebe Pizza Margherita!

Während ich in Deutschland niemals eine Pizza Margherita bei einem Lieferservice bestellen würde (weil es einfach zu viele andere Pizzen gibt, die kreativer belegt sind), schwöre ich in Italien auf eine schlichte und einfache Pizza Margherita! Probieren lohnt sich! Der Käse dort ist irgendwie… käsiger.

4) Ich bin ein Gelatofetischist!

Ich habe es ja nun schon erwähnt und auch mein ganzes Reisetagebuch „Buongiorno, Gelatoland!“ benannt. Ja, ich bekenne mich dazu: Ich liebe Eiscreme. Aber mal ehrlich? Wer könnte schon an Eisdielen, die mit überlebensgroßen Plastik-Eiswaffeln vor der Türe werben und deren Eiscremesorten wunderschöne italienische Namen (eigentlich sind es ja normale Wörter) tragen, vorbeigehen ohne sich einmal richtig zu belohnen.

Apropos Eiscreme. Zurück nach Venedig. Gerade kam der italienische Eisverkäufer an unseren Tisch. Ganz selbstbewusst grüßte ich und bestellte zwei Eisbecher auf Italienisch. Jetzt kommt allerdings der Haken den so ein Grundsprachschatz mit sich bringt: Der Herr Italiener geht natürlich nach meiner Glanzparade einer Bestellung auch davon aus, dass ich den Rest verstehe. Er plappert also weiter fröhlich auf Italienisch und fragt noch etwas bezüglich meiner Bestellung. Mein ratloser Blick verrät ihm dann aber schließlich: Tourist! Also ein kleiner Tipp am Rande: Eine Mischung aus Englisch und Italienisch befriedigt den eigenen Lernerfolg aber lässt einen nicht wie ein Trottel dastehen: „Ciao! I would like to order gelato per favore!“

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Attraversiamo! (Teil 2)

Hinübergehen. Lass uns hinübergeben. Attraversiamo! (Und so schnell habe ich Elizabeth Gilbert’s italienisches Lieblingswort verraten). Diesmal war es gar nicht mal so schwierig „hinüberzugehen“ in dieses fremde Land. Es war nicht schwierig das Flugticket zu buchen und auch nicht schwierig ins Flugzeug zu steigen. Schließlich hatte ich das alles schon einmal hinter mir UND ich würde schließlich nur für 46 Tage dort bleiben. Trotzdem war ich nervöser als ich es bei meinem ersten Au Pair-Abenteuer in Irland war. Bis ich das allerdings selbst realisierte saß ich schon im Flugzeug nach Verona. Um mich herum fast ausschließlich deutsche Touristen. Pärchen, Rentner, Kleinfamilien, Großfamilien – die typische Mischung Freizeiturlauber eben. Ich war nervös aus vielen verschiedenen Gründen und betrachtete die Wolken, die unter dem Flugzeug auftauchten und wieder verschwanden. Zum einen wusste ich natürlich nicht was mich dort in Italien erwartete und wie mein Sommer letztendlich verlaufen würde. War die Gastfamilie nett? Würde ich mit den Kindern zurechtkommen? Würde ich Freunde finden? Und so weiter und so weiter. Die deutschen Urlauber schnatterten voller Vorfreude von ihren Urlaubsplänen, lachten, stritten und vertrugen sich wieder als geklärt war wie viel Zeit sie am Pool verbringen wollten, wie viel Zeit im Hotelzimmer und wie viel Zeit am Buffet. Wie kann man nur ernsthaft in Betracht ziehen, Zeit am Pool zu verbringen, wenn es nur ein Katzensprung bis zum Gardasee war?! Naja, egal. Neben mir schnarchte ein kleinerer, dickerer, älterer Mann und er war der Grund wieso meine Nervosität im Laufe des Fluges drastisch anstieg. Während ich ihn beobachte, dachte ich nur: Wow, typisch Italiener. Muss ich denn immer schon auf den Flügen in andere Länder klischeemäßig so bedient werden? Nachdem er aufwachte, versuchte er mit seinem Mitreisenden Kontakt aufzunehmen. Leider saß der fünf Reihen hinter ihm. Er fuchtelte und wedelte und kurze Zeit später hatte er dessen ungeteilte Aufmerksamkeit. Eine hitzige Diskussion durch das halbe Flugzeug entbrannte. Viele fühlten sich gestört doch das war gar nicht mein Problem. Ich wollte dass die Herren Italiener weiterdiskutierten – doch schön, dass ich einfach mal NICHTS verstand und in eine Art stillschweigende Panik verfiel. Wie sollte ich mich je richtig verständigen? 10 Minuten später drehte sich mein Sitznachbar um. Es schien als habe er sich vollständig mitgeteilt, doch irgendwie war er trotzdem nicht so ganz zufrieden. Gedankenversunken drehte er seinen Kopf zu mir und seufzte: Mamma Mia! Ich grinste ihn an mit einem Lächeln, das wohl an den Joker aus Batman erinnerte. Ganz recht: Mamma Mia! Er merkte, dass irgendwas nicht richtig war und entschuldigte sich – vermutlich für die Störung durch das laute Gespräch. Als er merkte, dass ich ihn nicht richtig verstand, sagte er sanft: „Exscusa me. Italia not speak good Inglese“. Ich winkte ab, lächelte (normal) und dachte: Verdammt, der zweiwöchige Italienisch-Intensivkurs war wohl nicht genug. Schließlich würde ich mich zwar mit meiner deutsch-italienisch-englisch-sprechenden Gastfamilie verständigen können, doch die wohnen ja nicht in einem Schutzbunker, abgeschottet vom Rest der italienischsprachigen Welt.

Meine Zweifel fanden jedoch ein schnelles Ende als ich bei meiner Gastfamilie einzog – dort am Rande von Desenzano del Garda, zwischen den Weinfeldern gelegen in einem Haus aus Stein. Noch bin ich unschlüssig welche heldenhaften Namen ich den kleinen Protagonisten meines nächsten Eintrages geben soll, doch bleiben sie für jetzt „Die drei Fragezeichen“. Die nächsten 46 Tage meines Abenteuers sollte ich nämlich mit drei wunderbaren, kleinen Jungs verbringen. 3 kleine Jungs unter 3 Jahren, zwei davon Zwillinge, ähm ein Paar Zwillinge ähm Zwillingsbrüder von 7 Monaten und ein 2,5-jähriger Junge … verheißen Erwähnungen von vieeeeeelen Legobauwerken und Um-die-Wette-krabbel-Wettbewerben.

Ganz sicher habe ich hier einmal die richtige „Straße“ überquert. Attraversiamo. Ein wunderschönes Wort. (Aber nicht mein Lieblingswort).

 

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Buongiorno, Gelatoland! (Teil 1)

Ja, hier bin ich wieder mit meinen Erzählungen aus der Ferne. Diesmal schreibe ich über 46 wunderbare und aufregende Tage im Heimatland der Gnocchi und Spaghetti und der Weinberge, des berühmtesten „politisch-aktiven“ Staubsaugervertreters der Welt und natürlich des Gelato (Eis Creme). Ein Land in dem der Andrea und der Gabriele männlich sind und man mit „Tschau“ (ok, eigentlich ciao) begrüßt wird, natürlich melodischer und schöner betont als im Deutschen. Das konnte ja nur fantastico werden.

Aber was macht sie in Italien fragt ihr euch? Und das auch noch 46 Tage lang? Vor Studienbeginn und nach meiner Rückkehr aus dem magischen Guinnessland lag noch soooo viel Zeit. Genug Zeit um noch einmal den Rucksack zu packen und aus Deutschland zu fliehen. Wieso Italien? Ein bisschen Schicksal und ein bisschen … mehr Schicksal. Auf einer Au Pair-Webseite registrierte ich mich für fünf verschiedene Länder doch aus Italien kam nun mal das schönste und netteste Angebot. Ein zweiter Grund könnte gewesen sein, dass eine meiner Lieblingsautorinnen namens Elizabeth Gilbert in ihrem wunderbaren Reisememoire Eat, Pray, Love über zwei Seiten mit Bravour die Beschaffenheit einer italienischen Pizza beschrieben hat UND dass sie dort eine Person getroffen hat, die Spaghetti mit Nachnamen heißt. Im Ernst, was wäre fantastischer als einen Menschen zu kennen, der Spaghetti mit Nachnamen heißt?

Wenn ihr über mein Leben als Au Pair mit einer italienisch-österreichischen Gastfamilie im wunderschönen Desenzano del Garda, Kulturunterschiede, italienisches Essen, Freunde finden, Jonglieren lernen, an Leuchttürmen spazieren gehen, Italienisch lernen, Deutsch lernen, Englisch lernen, Eis essen, campen, Berge besteigen, und vieles mehr lesen möchtet, bleibt einfach dran. Elizabeth Gilbert nahm am Ende viele Erinnerungen und ihr italienisches Lieblingswort mit nach Hause. Die wunderbaren Erinnerungen hab ich ganz sicher mitgenommen … aber ob ich auch solch ein italienisches Lieblingswort mitgebracht habe, erfahrt ihr bald!

10 Tipps für ‚Wanna-Be‘ Au Pairs (Teil 2/2)

Die Koffer sind gepackt und dann steht man – schneller als man denkt – am Flughafen. Der Abschied von Eltern und Freunden fällt natürlich nie leicht, Zweifel steigen auf und man fragt sich, ob es tatsächlich die richtige Entscheidung war. Schließlich erlebt man nicht nur Neues sondern verpasst auch das Altbewährte in der Heimat. Gerade bei Au Pair-Aufenthalten von 6 bis 12 Monaten sind anfängliche Zweifel ganz normal. Um die meist ungewohnte und eventuell schwierige Anfangszeit zu überstehen, habe ich mir Gedanken über weitere Tipps gemacht, die mit dem Leben des Au Pairs im Ausland zu tun haben: 

6. Mini-Rebellion: Wie man die ersten zwei Wochen übersteht


Jeder Neustart ist schwierig. Aber keine Sorge, es wird mit jedem Tag besser. Das wichtigste ist, dass man geduldig mit sich selbst und den Kindern ist. Ich war oft mit ängstlichen und schüchternen, kleinen Kindern konfrontiert, die anfangs eigentlich lieber die Mama oder den Papa haben wollten, sich aber auf diese fremde Person mit dem komischen Akzent einstellen sollten. Da man ständig da ist, gewöhnen sich die Kids schnell an die neue Bezugsperson und nach ein oder zwei Wochen werfen die Kleinen dann erstmals den eigenen Eltern an den Kopf: „Nein! Ich will aber mit meiner Au Pair spielen und nicht mit dir!“ Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, fällt einem meist ein Stein vom Herzen, denn in den ersten Tagen und manchmal Wochen kommt es bei den Kindern häufig zu Tränen und einer Art Mini-Rebellion. Hat man diese Schlacht gewonnen, ist man meist über den Berg. Ein kleiner Tipp von mir: Am besten jegliche Mitbringsel oder Gastgeschenke (falls man welche mitnehmen möchte) erst 2 oder 3 Tage nach der Ankunft übergeben – Kinder sind einfach zu schlau für Bestechung. 

7. Heimweh

Ja, Heimweh hat jeder einmal. Das wichtigste ist, dass man sich ablenkt und nicht total in seinem Zimmer abschottet. Gerade in den ersten Wochen, in denen man zumeist noch keine Freunde gefunden hat, ist es schwer mit jemanden darüber zu sprechen – gerade weil alle Menschen fremd sind. Trotzdem sollte man sich seiner Gastfamilie anvertrauen. Aber auf keinen Fall sollte man gleich die Flinte ins Korn schmeißen, wenn das Heimweh dann mal „zu stark ist um es überhaupt auszuhalten“. In der heutigen Welt gibt es schließlich Telefon, Skype und Emails. In Minuten kann man das Gesicht der Eltern und Freunde auf dem Monitor sehen und Gespräche helfen sehr. Außerdem kann ich euch versprechen, dass selbst das stärkste Heimweh verschwindet sobald ihr neue Freunde gefunden habt und euch wohler in eurer neuen Umgebung fühlt. Ablenkung und Unternehmungen sind gefragt! 

8. Wie findet man Freunde? 


Eines der wichtigsten Elemente des Au Pair-Aufenthaltes ist das Schließen neuer, interkultureller Freundschaften. Wenn ihr euch für ein Land wie Irland entscheidet, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass ihr ganz viele Freundschaften schließen werdet. Denn dort lebt fast in jeder Ortschaft mindestens ein Au Pair. Das bedeutet man lernt oft Au Pairs über die Freunde der Gasteltern kennen. Weiterhin trefft ihr andere Au Pairs in Sprachschulen oder Reisegruppen. Persönlich hat mir Facebook viele Möglichkeiten eröffnet andere Au Pairs kennenzulernen. Dort gibt es verschiedene `Gruppen`, in denen man Au Pairs in seiner Umgebung finden kann und Treffen organisieren kann. Bestimmte Gruppen organisieren sogar wöchentliche Treffen in Pubs und Unternehmungen im ganzen Land.

9. Sprachschule

Ein wichtigster Punkt ist ebenfalls der Besuch der Sprachschule, der zum traditionellen Au Pair-Job mit dazu gehört. Im Prinzip muss man natürlich keine Sprachschule besuchen. Bei manchen Au Pair-Agenturen ist der Besuch der Sprachschule allerdings im offiziellen Programm mit drin. Der Besuch einer Sprachschule ist sehr empfehlenswert, da man neben dem gesprochenen Englisch auch noch einmal die Grammatik trainiert. Am Ende kann man dann auch noch Zertifikate machen, die international gültig sind. Die Kosten der Sprachschule übernimmt das Au Pair. Eine Mindeststundenzahl pro Woche ist vorgeschrieben um das Kindergeld über seine Au Pair-Zeit weiterhin zu erhalten. Verzichtet man also auf die Sprachschule, verzichtet man ebenfalls auf das Kindergeld. In einer Sprachschule lernt man viele unterschiedliche Menschen kennen und kann neue Freundschaften schließen. In Irland gab es sehr viele Sprachschulen und meine Gastfamilie hat mich während meines ersten Au Pair-Aufenthaltes sehr unterstützt, mich für die richtige Schule zu entscheiden. Durch einen Einstufungstest landet man dann in der Regel in einem Kurs, der dem eigenen Sprachniveau angemessen erscheint. Die Lehrer sind meiner Erfahrung nach sehr offen und freundlich. Mein Tipp: Falls ihr die Stundenzahl nicht erreicht, aber eine Sprachschule besucht kann ich sagen, dass es nicht in jedem Land so penibel und bürokratisch zugeht wie in Deutschland. Einfach mal bei der Sprachschule anfragen… 

10. Abenteuer Ausland 

Abgesehen davon, die Sprache zu erlernen und auf die Kids aufzupassen, habt ihr Zeit dafür das Land zu erkunden. Irland war das perfekte Land zum Reisen! Wunderschöne Landschaften und viele Freizeitangebote – man konnte sich kaum entscheiden, was man lieber an den Wochenenden anstellen wollte. Meine Empfehlung ist es, das Geld was man verdient auch im Ausland auszugeben. Schließlich ist man (in der Regel) nur einmal dort und möchte so viel wie möglich sehen und erleben. Tretet Sportvereinen bei oder Musikvereinen, nutzt die Angebote der volkshochschulartigen Bildungseinrichtungen und geht auch mal einen Kaffee oder Mojito trinken, anstatt das Geld auch nur in geringster Weise ansparen zu wollen. You only live once! 

Viel Spass im Ausland!

Reisebericht: Willkommen im Hotel Transsilvanien

Die Liste mit meinen noch zu bereisenden Ländern ist lang. Island, Portugal, Indien, Argentinien und Brasilien stehen darauf, dicht gefolgt von Madagaskar, Norwegen und Thailand. Niemals hätte ich gedacht, dass es mich einmal nach Rumänien, oder vielmehr Transsilvanien, verschlägt. Doch wie das Schicksal es wollte, lernte ich in Irland zwei wunderbare ungarische Au Pairs, die in Rumänien leben kennen und so kam es dann, dass ich eben jene für fünf Tage in ihrer Heimat besuchte. Es ist die beste Art zu reisen und einen Eindruck von Land und Kultur zu bekommen, wenn man seinen Urlaub mit einheimischen „Landeskundeexperten“ verbringt. Ein kleines Abenteuer abseits des typischen All-Inclusive Pauschalurlaubs erwartete mich – all-inclusive waren allerdings jede Menge Gastfreundschaft, Tagesausflüge, Insiderwissen und Spass. 

Um ehrlich zu sein war ich vollkommen ahnungslos, was mich in diesem Land erwarten würde. Das Wetter sollte durchwachen sein, doch eher warm als kalt. Wohnen würde ich bei meiner Freundin in einer Kleinstadt namens Szentegyháza (Vlăhița), ein paar Stunden vom Flughafen entfernt am Rande der Karpaten. 

(Zwischenanmerkung: Der erste Name ist in Ungarisch, der zweite in Klammern in Rumänisch. Diese Region Rumäniens gehörte in der Vergangenheit zu Ungarn, deshalb spricht der Großteil der Menschen dort offiziell nicht auf Rumänisch, obwohl sie diese Sprache natürlich ebenfalls beherrschen.) 

Also was wusste ich noch über Transsilvanien? Ja, sicher. Es ist die Heimat des wohl berühmtesten Vampirs der Welt. Und nein, ich spreche nicht von Edward Cullen aus der Vampirsaga Twilight, sondern von Graf Dracula, dessen Schloss sich zwar nicht in unmittelbarer Reichweite befand aber doch nah genug um mich dazu zu bewegen ein paar Knoblauchzehen in die Seitentaschen meines Koffers zu stopfen. Sicher ist sicher. Klar, Rumänien ist natürlich ebenfalls Heimat der Zigeuner. Arbeitslosigkeit und eine schlecht laufende Wirtschaft werden ebenfalls mit Rumänien in Verbindung gebracht. 

Naja, also auf geht es ins Neuland. Die Flüge waren schnell gebucht und unheimlich günstig (aus deutscher Sicht). Von Frankfurt/Hahn flog ich zum „Transylvania Airport“, wo mich meine Freundin und deren Freunde abholten. Eine knapp zweistündige Autofahrt führte uns durch viele Städte und Dörfer und schon jetzt merkte ich, dass mich meine Reise nicht nur in ein anderes Land geführt hatte, sondern anscheinend auch in eine andere Zeit. Pferdewagen ersetzten teilweise Autos und es war selten, dass ein Traktor die Arbeit auf den vielen Feldern erleichtere, sondern diese vielmehr Mensch und Tier verrichten. Ich dachte an die gigantischen Traktoren, die durch unsere Straßen in Deutschland brausen – bald schneller als manches Auto und breiter als jeder LKW. Zigeunerfrauen liefen am Seitenstreifen der Straße, in ihren bunten Kostümen. Durch Berge und Täler erreichten wir dann die Stadt Szentegyháza (Vlăhița), die mehr oder weniger aus einem Dorf- und aus einem Stadtteil besteht. Angekommen in einem Hochhaus packte ich dann meinen Koffer aus und wir aßen etwas. Gestärkt konnte das Abenteuer nun weitergehen. 

Hier meine Top 5 – Erlebnisse, Feststellungen und Empfehlungen aus dem wunderschönen Rumänien:

1. Tagesausflug zum Bran Castle (Dracula‘s Schloss) in Törcsvár (Bran) in der Nähe von Brassó (Brașov): Ich würde sagen, dass dieser Tagesausflug den Tourist in mir zu neuem Leben erweckt hat. Was erwartet man von Dracula‘s Schloss? Ein dunkles, finsteres, gruseliges Gebäude mit dunklen und kalten Gängen – gespenstig und irgendwie verhext. Die Tatsache ist allerdings, dass man hier gut und gerne eine neue Folge der Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen drehen könnte, denn das Bran Castle ist derart romantisch und schön, dass man erwarten könnte dort ein Disney-Märchenpaar sogar noch nach ihrem …sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage … anzutreffen. Wunderschöne, kleine Gänge, verschnörkelte Verzierungen, ein Brunnen in der Mitte des Schlosshofes, … ein paar Räume wurden dann noch mit schwarzen Dracula-Möbeln ausgestattet, aber niemand konnte mir weiß machen, dass hier ein Vampir haust … höchstens nachts zur Untermiete bei Cinderella und ihrem Prinzen. Fazit: Ein wunderschönes Schloss und viele andere Touristen aber der Gruselfaktor bleibt aus. 

Auf dem Rückweg hielten wir an einer Burg in Kőhalom (Rupea), welche ebenfalls wunderschön ist, wir jedoch wegen Bauarbeiten nicht betreten konnten.

2. Kulinarische Entdeckungen: Während meines Aufenthaltes in Rumänien habe ich einmal mehr festgestellt, wie schlecht, chemisch und komisch-aussehend unser Gemüse in Deutschland (!) eigentlich ist. Äpfel ohne jegliche kleinen Makel, Tomaten und Zucchini die perfekter nicht aussehen oder geformt sein können – rundherum schichtenweise Chemie. In Rumänien wiederum findet man in den Geschäften Gemüse, in Körben und ohne sinnlose Plastikverpackung, die so natürlich aussehen und schmecken wie man es sich hier gar nicht mehr vorstellen kann. Ich hätte es selbst nicht gedacht. Mein Highlight war jedoch eine unglaublich leckere Süßspeise namens Kürtőskalács (siehe Foto). Nicht geschmeckt hat mir das Wasser, das direkt aus den Quellen im Dorf kommt. Es ist sehr eisenhaltig und gesund, allerdings ist es für Menschen, die es nicht gewohnt sind, zu stark. Auf einer Wanderung haben wir jedoch eine andere Quelle entdeckt, von der mir das Wasser wiederum sehr gut geschmeckt hat.

3. Ausflug in die Karpaten und Wanderung zu einem Berg namens Egyes-kő (Piatra Singuratică): Wer hätte gedacht, dass Rumänien landschaftlich gesehen so ein Augenschmaus ist. Ich hatte absolut keine Ahnung was mich landschaftlich erwartet, wusste nur, dass die Karpaten nicht weit entfernt sind zu denen wir an einem der Tage mit dem Bus fuhren. Das war vielleicht ein Anstieg. Kilometer um Kilometer wanderten wir bergauf, …bergauf, bergauf, bergauf. Ich wusste schon immer, dass ich nicht wirklich viel Ausdauer besitze, aber dieser Anstieg hat mich tatsächlich an meine aller letzten Grenzen gebracht. Es hat sich gelohnt. Der Ausblick war unbeschreiblich und glücklicherweise sind wir auch nicht von den dort einheimischen Braunbären gefressen worden. 

4. Ausflug nach Máréfalva (Satu Mare) zu den berühmten Szekler Toren (Székely Kapu): Ich hatte großes Glück eine private Führung durch das wunderschöne Dorf Máréfalva zu bekommen. Dort wurden mir die einzigarten und uralten Szekler Tore gezeigt und deren Geschichte erzählt. Außerdem erhielt ich noch eine lustige Führung durch ein traditionelles Haus und mir wurden die Haushaltsgegenstände der Vergangenheit gezeigt. Traditionsgemäß übergibt der Mann einer Frau zur Hochzeit ein Holzbrett mit Stiel (die Waschmaschine der Vergangenheit – eine romantische Vorstellung, oder?). Bin ich jetzt mit meinem Fremdenführer verlobt? 
Weiterhin wurden mir alte Berghöhlen gezeigt, in welche man hineingehen konnte und einen wunderschönen Blick auf das Dorf Máréfalva hatte. 

5. Fortbewegungsmittel: Wie kommt man in Rumänien an sein Ziel? Da wir nicht immer ein Auto zur Verfügung hatten, mussten wir den Bus nehmen. Auf den Bus und dessen Pünktlichkeit verlassen konnte man sich aber grundsätzlich nicht – also vergleichbar mit unserer Deutsche Bahn. Allerdings war ich doch beeindruckt, dass die Busse in Rumänien unsere deutschen „ausrangierten“ Busse waren, die in Deutschland vermutlich kein TÜV mehr bekommen hätten. Also ein klein wenig abenteuerlich und wacklig so eine Busfahrt in Rumänien. Ganz normal ist es ebenfalls, dass man per Anhalter mitfährt. Auch diese Erfahrung war ganz neu für mich, denn ich hätte meine Hand ins Feuer gelegt, dass niemand für uns anhält. Ein paar Minuten später saßen wir dann aber schon in einem kleineren LKW auf dem Weg zu einer weiteren Entdeckung.

Rumänien ist ein wirklich schönes Land und ich würde es jederzeit wieder bereisen, denn gerade landschaftlich hat es mich sehr beeindruckt. Ich bin meinen Freundinnen und allen die ich kennenlernen durfte unheimlich dankbar für ihre Gastfreundschaft, denn die wird definitiv unterschätzt.

Das Planetenfunkgerät für Au Pairs

Allerspätestens nach einem Monat war ich offiziell ein anerkanntes Familienmitglied. Ich war die große Schwester – manchmal gemein, meistens lieb und immer die beste Ansprechpartnerin wenn es darum ging, die Knete aus den Couchritzen zu holen oder Spielautos aus der Toilette zu fischen. Ich war da, wenn die Kinder morgens gähnend am Frühstückstisch saßen, ich war da, wenn sie wieder aus Schule oder Kindergarten zurückkehrten. Ich war diejenige, die stöhnend einen Kinderwagen inklusive drei Kindern, Snacks, Getränken, Regenjacken und Sommerklamotten den weiten Weg bis zum Spielplatz schob. Ich war anwesend bei jeder Geburtstagsfeier, bei Familienfeiern und Spieleabenden. Ich lag mit den Kindern auf der Couch wenn sie krank waren und ich habe unendliche Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Der kleine Prinz hatte inzwischen nicht nur krabbeln, sondern auch laufen gelernt. Sein erstes Wort habe ich auch noch mitbekommen: „Banana“ (Banane), welches er ganz gerne und häufig in die Länge zog. Wir schrieben daraufhin den „Opus“-Song „Life is Life“ neu (er wäre sicherlich ein Riesenerfolg in Grundschulen und Krabbelgruppen geworden). Während ich laut „Life is Life“ sang, fügte der kleine Prinz ohne zu zögern „Banananana“ hinzu. Zusammenfassend: Ich war „wie die Mama – nur eben mit dunklen Haaren“.

Das einzige, was weder ich noch die Kinder wirklich bedachten: Die Zeit. Wir alle dachten nicht wirklich an den großen Abschied, der schon bald anstehen würde, auch wenn meine Gasteltern das Thema langsam aber sicher ansprachen. Sätze wie „Na und … dann spielen wir eben nächste Woche!“ oder „Wie oft müssen wir schlafen bis du wieder da ist?“ machten die Abschiedsphase nicht gerade leichter. Immer wieder versuchte ich den Kindern schonend beizubringen, dass ich nicht so schnell wieder zurückkommen würde.

Und dann kam der Tag an dem Albert Einstein die entscheidende These aufstellte: Ein Au Pair stammt einfach nicht vom selben Planeten. Das wäre der einzige denkbare Grund, wieso ich nicht so schnell wiederkommen könnte, denn ein Flugzeug von Deutschland nach Irland bräuchte ja nicht länger als zwei Stunden. Mit vielen umständlichen Erklärungen versuchte ich ihm klarzumachen, dass Deutschland auf demselben Planeten liegt wie Irland, doch ich konnte Albert Einstein nicht überzeugen. Sein Plan stand fest: Er musste einen Weg finden um in Kontakt bleiben zu können. Eine kluge Erfindung musste her, genauso wie es der richtige Albert Einstein getan hätte. Im Weltraum funktionieren schließlich weder Handy noch Internet. Während er also in den nächsten Tagen versuchte, das ultimative Planetenfunkgerät aus Lego zu bauen, nutzte ich die letzten beiden Wochenenden für Abschiedspartys mit meinen gewonnen Freunden – Au Pairs, Einheimische, Zugezogene. Alle waren wunderbar und ich bin dankbar für jede einzelne Person, die ich kennenlernen durfte. Die letzten Wochen in Irland fühlten sich genauso an, wie die letzten Wochen bevor ich Deutschland verlassen hatte. Und ich muss zugeben, dass ich noch nicht bereit war zurückzufliegen. Ich hatte mich so an die Menschen und die Sprache gewöhnt, ich hatte angefangen auf Englisch zu träumen und zu denken – ich wusste in welchem Café oder Pub ich meine Freunde antreffen würde. Ich wusste, wo die besten Einkaufsstraßen, Museen und Kinos waren oder wo der schönste Strand zu finden ist und hatte mich schlussendlich damit abgefunden, dass ein Regenschirm in Irland einfach keinen Sinn macht, da der Regen nicht von oben kommt. Ich hatte mir angewöhnt unendlich viel Knoblauch zu essen, das restliche Essen aber nicht zu würzen. Ich hatte gelernt öffentliche Verkehrsmittel effektiv zu nutzen, günstig zu reisen, die besten Hostels und Hotels zu finden. Ich habe meine Liebe zum Reisen, zu unterschiedlichen Kulturen aber vor allen Dingen zur englischen Sprache entdeckt – was mich zu meinem jetzigen Englisch-Studium beflügelt hat.

Eine Sache habe ich allerdings nicht gelernt und möchte ich auch gar nicht lernen – nämlich „Tschüss“ zu sagen. Dass Albert Einstein es nicht geschafft hat das Planetenfunkgerät zu bauen macht also gar nichts, denn in genau zwei Wochen sitze ich im Ufo nach Irland – genau, um nochmals als Sommer-Au Pair ganz neue Erfahrungen zu sammeln, in einer neuen „Stadt“ (Dorf) und mit einer neuen Gastfamilie. Allerdings, nur 10 Kilometer von Albert Einstein, Mary Poppins und dem kleinen Prinzen entfernt.

Tatsächlich gibt es dann ein HAPPY END.

Genau: “Life is Life …. Banananana!”

Pfannkuchen am Nordpol

Deutschland mag ja ein weit entwickeltes Land sein. Wir haben ein klares System. Die wichtigsten Tage des Jahres sind fest in unserem Verstand und in unserem Kalender verankert – genau, ich spreche von Feiertagen. Tage, an denen man ohne jegliches schlechte Gewissen blau machen darf, da uns entweder wichtige geschichtliche Ereignisse oder religiöse Hintergründe ganz automatisch eine „Krankmeldung“ ausstellen. Meine Zeit in Irland hat mir aber ganz klar gezeigt, dass auf unserer Liste einer der wichtigsten, sinnvollsten und schönsten Tage fehlt. Wieso, um Himmels Willen, haben wir keinen „Pancake Tuesday“ (Pfannkuchen-Dienstag)? Natürlich, der kritische Deutsche möge jetzt argumentieren, dass wir auch mehrere Feiertage zelebrieren, an denen man sich rundum satt essen kann. Aber wie kann man denn bitte die rundum gesunde und pflanzliche ‚Grüne Sauce‘ vergleichen mit dem Genuss von dampfenden Pfannkuchen, übergossen mit heißer Schokoladensauce, bestäubt mit Zimt und Zucker oder Sahne …. oder, laut Albert Einstein nur möglich in einem Haus mit drei Kindern, mit ALLEM gleichzeitig. Ich weiß nicht, woher meine Begeisterung für diesen epischen Tag, der im Übrigen 40 Tage vor Ostern vor Beginn der Fastenzeit zelebriert wird, so plötzlich herkam – ob es daran lag, dass es das erste knoblauchfreie Rezept während meines ganzen bisherigen Aufenthaltes war und ich deshalb nahezu einen Schock – hervorgerufen durch Knoblauchentzug – erlitt?

1x Weihnachten, Bestell-Nr. 2412

Dies lässt mich zurückblicken auf eine weitere, unvergessliche und nicht allzu besinnliche irische Weihnachtszeit. Sie begann am 27. November. Albert Einstein, der sich ja schon sehr gut darin verstand den Kalender richtig zu deuten, begann an diesem Tag zielgerichtet den „Smiths“ Spielzeug-Katalog zu wälzen. Schließlich wollte er gut vorbereitet sein und schrieb seine Wünsche – nach Priorität geordnet – heraus. In Irland ist es üblich, dass die Kinder einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben und ihn entweder per Luft- oder Rentierpost in Richtung Nordpol senden oder ihn persönlich übergeben. Der Weihnachtsmann kommt nämlich wenige Wochen vor Weihnachten in Einkaufszentren und Supermärkte und wartet dort auf Kinder, die ihm Wunschzettel überreichen möchten. Die Idee meiner Gastmutter, die Briefe per Post zu schicken, scheiterte, denn Albert Einstein hatte schon die Höhe der Portokosten im Internet recherchiert, sodass eine selbstgebastelte Briefmarke wohl nicht mehr in Frage kam. Also musste es ein persönlicher Besuch beim Weihnachtsmann sein, dem er folgenden Brief (originalgetreu übersetzt) in die Hände drückte:

„Lieber Weihnachtsmann, mein Name ist Albert Einstein. Ich war das ganze Jahr über lieb und nett, ganz besonders zu meinen Geschwistern, Mary Poppins und dem kleinen Prinzen. Weil ich es also verdient habe, hätte ich gerne folgende Geschenke: 1. Lego Polizeistation, Bestell-Nr. 7498 und 2. Lego Weltraumstation (die große), Bestell-Nr. 3172. Wenn du noch heute im Spielzeug-Katalog „Smiths“ bestellst, kommt die Lieferung ganz sicher noch bis Weihnachten an. Zumindest haben sie das in der Werbung gesagt. Bitte bring doch meiner kleinen Schwester das viel zu pinke Barbie Traumschloss, das sie sich so wünscht und meinem Bruder auch etwas Schönes. Beide können noch nicht schreiben. Albert Einstein“

Als der Brief bei Santa Claus abgegeben war, hieß es also warten, warten und nochmals warten. Eine Geduldsprobe für jedes Kind doch für mich wurde die Kindererziehung dadurch temporär erheblich leichter. Schließlich brauchte ich mir ab sofort keine Gedanken mehr darum zu machen, dass die Kleinen etwas anstellten. Sobald sie nur ein wenig aus der Reihe tanzten, nicht gehorchten, herumschrien oder ihr Gemüse nicht aufessen wollten, musste ich sie nur mit verheißungsvollem Blick ansehen und eine simple Frage stellen: „Was würde bloß Santa Claus zu eurem Benehmen sagen?“ – und schon saßen drei Engel am Tisch, die ihre Teller in Rekordgeschwindigkeit leerten. Mary Poppins wagte es einmal meine Theorie in Frage zu stellen, als sie sagte „Santa Claus ist alles in allem ein netter Mensch – der würde uns immer Geschenke bringen, egal ob wir mal ungezogen waren“. Mit der Antwort „Wer weiß, wer weiß“ war die Diskussion aber schon wieder beendet. Schließlich wollte auch Mary Poppins kein Risiko eingehen.

Selbstverständlich bin ich über die Weihnachtsfeiertage nach Deutschland geflogen und habe mit meiner eigenen Familie gefeiert. Das hielt mich aber nicht davon ab, Geschenke für „meine“ Kids unter den Weihnachtsbaum zu legen – und dem irischen Weihnachtsmann einen Brief zu schreiben:

„Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir nur eins: Pfannkuchen!“